Kassandra
nach einer Erzählung von Christa Wolf
Eine Theaterinstallation für eine Schauspielerin
mit Video und musikalischen Variationen
Ich habe immer mehr an Bildern gehangen als an Wörtern. Vor den Bildern sterben die Wörter.
Nach dem Ende des trojanischen Krieges wird Kassandra als Gefangene der Griechen nach Mykene verschleppt. Sie weiß, dass sie nun sterben muss und schaut auf ihr Leben zurück. Dabei enthüllt sie, dass ihre alte, nicht mehr existierende Heimat ein Konstrukt von Lügen, Missbrauch und Gewalt war.
Mit der Erzählung geh ich in den Tod. Hier ende ich, ohnmächtig, und nichts, nichts, was ich hätte tun oder lassen, wollen oder denken können, hätte mich an ein anderes Ziel geführt.
Kassandra besitzt die Sehergabe. Sie sieht, was alle sehen, schreit es heraus, benennt die Folgen, behält recht und doch will niemand das Offensichtliche wahr haben.
Ein Krieg um ein Phantom geführt, kann nur verloren gehen.

Die Schlacht ist geschlagen, die Stadt vernichtet. Was bleibt, sind die Bilder im Kopf der Kassandra, von Zerstörung, Blindheit und Grausamkeit. Was macht man mit dem Wissen, wenn niemand davon wissen will?
Der Mensch ändert nichts, warum ausgerechnet sich selbst, warum ausgerechnet das Bild von sich.
Christa Wolf schrieb die Erzählung Anfang der 80er Jahre, auf dem Höhepunkt der nuklearen Aufrüstung. Ihre Kassandra bezieht Stellung, sie versucht einzugreifen, zu ändern, und muss erkennen, dass doch nichts zu ändern ist. Der Unwille zur Aufklärung des Zivilisationsbruchs ist zeitlos, er setzt sich als Trauma in der Geschichte fort. So ist die Erzählung ein beeindruckender Bericht innergesellschaftlicher Bewusstseinsprozesse.
Diesem düsteren Geschlecht ist nicht zu helfen; man müsste nur meistenteils verstummen, um nicht, wie Kassandra, für wahnsinnig gehalten zu werden, wenn man weissagte, was schon vor der Tür steht.
Johann Wolfgang von Goethe
Kassandra: Barbara Englert
Regie: Kirsten Uttendorf
Videoinstellation: Melanie Gärtner
Musik: Jan Gerdes – solosymphonie productions
Kostüme: Antonia Lattemann
Dramaturgie/Text/Bühne: Anna Schönberger, Anna Stein
Regieassistenz: Johanne Schröder
Aufführungsdauer: 70 Minuten
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH Berlin
Verwendete Musik
Stockhausen Klavierstück 5 – eingespielt von Jan Gerdes
Erol – Jan Gerdes/Thomas Andritschke
www.erolmusik.com
Eine Koproduktion des Künstlerhauses Mousonturm und theater be in Koproduktion mit Kirsten Uttendorf.
Mit freundlicher Unterstützung vom Kulturamt Frankfurt und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.